Aus aktuellem Anlass kommt hier mal wieder ein kleiner Blogartikel von mir, dieses Mal zum Thema „Hilfe, ich bin zurückgefallen im Prozess“. Ich möchte dir vor allem aus meiner körpertherapeutischen Sicht und meiner Erfahrung mit Trauma und der Lösung von Trauma vermitteln, was mit dir in deiner Entwicklung passieren kann und warum der Schein leider manchmal trügt.
Grundsätzlich ist meine Überzeugung und Erfahrung: Wirklich zurückfallen tut man nicht im Prozess!
WARUM IST DAS SO?
Der Grund dafür ist ganz einfach: Wenn ein Thema wirklich geheilt wurde, wurde es geheilt. Es tut dann nicht wieder weh! Und wenn es nur etwas geheilt wurde, dann tut es beim nächsten Trigger im Normalfall weniger weh als alle Male davor. Es wird dann nicht wieder schlimmer.
Wenn man also das Gefühl hat, zurückgefallen zu sein und man findet, dass das gleiche Thema immer noch oder schon wieder Schmerzen, Frust, Wut o.ä. verursacht, kann das verschiedene Ursachen haben.
Hier beschreibe ich dir die verschiedenen Varianten, die für dich zutreffen können, wenn du das Gefühl hast: „HILFE, ICH BIN ZURÜCKGEFALLEN IM PROZESS!“ und ich erläutere dir diese Varianten auch mit einem Beispiel, damit du es noch besser verstehen kannst.
Los geht’s!
Möglichkeit 1: Eine tiefere Schicht eines Themas zeigt sich!
Manchmal kommt eine andere, meistens eine tiefere, Schicht eines Themas, welches man schon einmal bearbeitet hatte, zum Vorschein. Diese tiefere Schicht möchte auch noch geheilt werden.
Ein Beispiel dafür wäre: Du hast an deiner Verlustangst schon einmal gearbeitet, in dem du die Verlustangst, die du gefühlt hattest als du mit 5 Jahren alleine im Krankenhaus von deinen Eltern zurückgelassen wurdest, geheilt hast. Wenn dann wieder eine Verlustangst hochkommt, ist es meistens ein Ereignis, welche VOR dem 5. Lebensjahr stattgefunden hat, weil dich das noch stärker geprägt als, als der Krankenhausaufenthalt. So wurdest du evtl. nach deiner Geburt in einen Brutkasten gelegt oder deine Mutter konnte dich nicht betreuen direkt nach der Geburt und du warst in deinen ersten Tagen ständig bei den Krankenschwestern. Und wenn du das bearbeitet und geheilt hast, kann noch eine tiefere Schicht kommen, die mit noch einem früheren Erleben zu tun, z. B. der Tod deines Zwillingsgeschwisters im Bauch deiner Mutter.
Wichtig ist hier zu verstehen: Je früher ein traumatisches Erlebnis stattgefunden hat (Zwillingsverlust VOR der Geburt und Geburt VOR dem Krankenhausaufenthalt mit 5 Jahren!), umso stärker und leider auch umso hartnäckiger sind die Auswirkungen auf dein heutiges Erleben und deine Überlebensmuster.
Möglichkeit 2: Eine neue Facette eines Themas zeigt sich!
Es kann auch eine neue Facette eines Themas, welches man schon einmal bearbeitet hatte, zum Vorschein kommen. Auch diese andere Facette möchte geheilt werden.
Ein Beispiel dafür wäre: Du hast an deiner Verlustangst schon einmal gearbeitet, in dem du die Verlustangst, die du gefühlt hattest als du mit 5 Jahren alleine im Krankenhaus von deinen Eltern zurückgelassen wurdest, geheilt hast. Wenn dann wieder eine Verlustangst hochkommt und es handelt sich um eine andere Facette, könnte es sein, dass auch dein Vater bereits mit 5 Jahren eine schwere Verletzung erlitt und Mutter oder Vater ihn nicht ausreichend versorgen konnten und er woanders hingebracht wurde. Das wäre dann einen Ahnenthema im Zusammenhang mit deiner Angst, also eine Wiederholung in deiner Ahnenreihe.
Und, wenn dann wieder eine Verlustangst hochkommt und es handelt sich um eine andere Facette, könnte es sein, dass du bereits in einem früheren Leben Vater oder Mutter frühzeitig verloren hast, weil sie vielleicht an einer Krankheit starben. Das wäre dann ein Thema aus einem früheren Leben im Zusammenhang mit deiner Angst, also eher ein karmisches Thema, was auch noch einmal angeschaut werden sollte, um die Angst, die dadurch entstand, auflösen zu können.
Möglichkeit 3: Dein Thema wurde einfach noch gar nicht geheilt!
Eine weitere Möglichkeit könnte sein, dass du dein Thema (noch) nicht wirklich geheilt hast und du glaubst nur, es wurde geheilt, weil du den Schmerz zwischendurch eine Weile nicht gespürt hast. Und dann kommt der Tag an dem du den Schmerz doch wieder spürst. Dann war er leider noch nie geheilt und schmerzt einfach jetzt mal wieder. Aber da ist man auch nicht zurückgefallen, weil man in dem Fall – leider - noch gar nicht dort war, wo man glaubte schon zu sein.
Ein Beispiel dafür wäre: Du warst eifersüchtig auf die Ehefrau deines Gefühlsklärers. Da ihr aber schon seit 2 Jahren keinen Kontakt mehr habt, spürst du die Eifersucht nicht (mehr). Nun lernst du einen anderen Mann kennen, der eine beste Freundin hat, auf die du wieder eifersüchtig bist. Dann hast du einfach, weil du die 2 Jahre dazwischen mit keinem Mann zusammen warst, deine Eifersucht nicht mehr gespürt, sie war aber deshalb nicht geheilt, eben nur nicht spürbar für dich.
Möglichkeit 4: Du glaubtest bisher nur, dein Thema wurde schon geheilt!
Ähnlich wie beim 3. Punkt kann es sein, dass du (nur) geglaubt hast ein Thema geheilt zu haben, weil du zu dem Thema bereits gearbeitet hattest und nach dieser Arbeit den Schmerz, die Wut, die Traurigkeit o.ä. nicht mehr gespürt hast. Und dann taucht dieser Schmerz oder die Wut oder die Traurigkeit plötzlich wieder auf und du denkst nun du bist zurückgefallen. Manchmal ist es leider so, dass du ein Thema nicht geheilt hast, weil du zu schnell aus dem damaligen Schmerz herausgegangen bist. Das war dann meistens eher ein bewusstes Eingreifen, entweder von dir selbst (über den Kopf) oder von einem Therapeuten (das sind auch bloß Menschen) und du hast dich z. B. durch eine bewusste Atemtechnik aus einem Schmerz/Trigger herausbegeben. So etwas kann dir natürlich in deinem Alltag helfen, eine Heilung von Trauma und traumatischen Erlebnissen findet so aber leider nicht statt. Leider suggeriert dir in diesem Moment dein Kopf (oder dein Therapeut), dass es dir jetzt besser geht. Und für den Moment stimmt das auch. Es bleibt aber dabei, tiefsitzende, alte traumatische Erfahrungen können so nicht geheilt werden.
Ein Beispiel dafür wäre: Du hast starke Wutanfälle gehabt und bist über einen längeren Zeitraum in eine Gruppe gegangen in der du gelernt hast über Atemtechniken mit deiner Wut einen neuen Umgang zu erhalten. Das hat auch gut geklappt in deinem Alltag und du hast keine Wutanfälle mehr und wenn kannst du dich schnell wieder ins Hier und Jetzt holen über bestimmte Atemroutinen. Nun triffst du durch Zufall auf deinen Gefühlsklärer und in dir kommt schon wieder Wut hoch und du denkst, du bist zurückgefallen, weil das mit der Wut doch schon mal besser war. Dann ist der tiefe Grund deiner Wutanfälle – vielleicht weil das bei dir als Kind immer unterdrückt wurde, wütend zu sein, vor allem wenn du ein Mädchen warst – immer noch nicht geheilt. Du hast nur gelernt, deine Wut zu regulieren, aber die Ursachen wurden nicht in Angriff genommen. Meine Erfahrung, vor allem mit dem Thema Wut, ist eher, dass die Wut auch mal – in einem aufgehobenen therapeutischen Rahmen – ausgelebt werden muss. Etwas kann erst dann wirklich LOSgelassen werden, wenn es einmal richtig ZUgelassen wurde. Wenn das passiert, können erst dann die tieferen Schichten im Zusammenhang mit der Wut zum Vorschein kommen. Das ist, im Zusammenhang mit Wut, in den allermeisten Fällen tiefe Traurigkeit. Um die Wut zu heilen, musst du an diese Traurigkeit, die darunter liegt, kommen und diese Traurigkeit dann erst einmal zulassen. Etwas anders formuliert, du musst durch das Gefühl der Wut einmal komplett durchgehen, um die darunterliegende Schicht zu erreichen. Die Wut "wegzuatmen" ist nicht das Gleiche, wie die Wut einmal komplett zu durchfühlen.
Möglichkeit 5: Stehenbleiben im Prozess!
Was ich auch manchmal erlebe in meiner Arbeit ist, dass jemand nicht weitermacht im Prozess und auf seinem Niveau stehenbleibt und sich nichts mehr verbessert. Aber dann fällt man auch nicht zurück, man entwickelt sich nur leider auch nicht weiter.
Zum Thema "Hilfe, ich bin zurückgefallen im Prozess" habe ich bereits im letzten Jahr mal ein kleines Youtube-Video veröffentlicht, welches du dir gerne hier anschauen kannst: https://youtu.be/iedhnkXlI70
Ich hatte schon einmal einen Blogartikel zum Thema „Die vielen Facetten eines Themas oder Wieso taucht das schon wieder auf?“ geschrieben. Dieser Blogartikel kann dir vielleicht auch weiterhelfen. Ich verlinke ihn dir hier: DIE VIELEN FACETTEN EINES THEMAS oder WIESO TAUCHT DAS SCHON WIEDER AUF?
Und wenn du genauer wissen möchtest, was auf Körperebene passiert und warum es wichtig ist, deine Themen in der Tiefe zu heilen, dann kann dir vielleicht dieser Blogartikel weiterhelfen: KOPF TÖTET HEILUNG! - Wieso dir dein VERSTAND bei deiner Heilung im Weg stehen kann und was das mit PROBLEMSUCHEN vs. LÖSUNGSDENKEN zu tun hat!
Alles Liebe,
Susanne








